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Texte, die durch mich geschrieben wurden.
Etliche zwischen 1990-1997, ganz viele zwischen 2003 und 2005. Neuere ab 2010. Das sind dann die 'Essenzen' der Träume. Botschaften der geistigen Welt. Wie ich finde, nicht nur für mich.

Texte, die unbequem sind. Weil sie Dich zu Dir zurückführen. Lass Dich aufrütteln!

Lass die Texte auf Dich wirken. Und nimm was davon für Dich mit.


www.leuchtturm-der-seele.de






Einfach nur Zufall? Oder: Engel im Outback

Sonstiges Posted on Mon, April 29, 2013 23:38:24

‚Hmmpf!! Was ist…?‘, fragte ich mich
schlaftrunken und angelte nach dem Wecker, um ihm einen gehörigen Klaps zu
geben. Als der Störenfried ‚ausgestört‘ hatte, setzte die Vorfreude ein: heute
ging es zum Uluru! Die Weißen nennen ihn ‚Ayers Rock‘.

Gestern, am Flughafen in Alice
Springs, hatte ich vier Deutsche (Endzwanziger bis Mittdreißiger) getroffen –
zwei Männer und zwei Frauen. Sie lugten unter schwarzen Lederhüten hervor – so,
wie ich auch. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wir unterhielten uns
nett und ich erfuhr, dass die vier Freunde aus der Nähe von Hildesheim/Hannover
kamen. Die grobe Richtung war ja auch meine Heimat! Wie klein doch die Welt
war! Die vier ‚Hildesheimer‘, wie ich sie hier kurzerhand nenne, verabschiedeten
sich, denn sie wollten weiterreisen. Auch zum Ayers Rock.

Der erste Eindruck, als ich aus der
kleinen Maschine stieg, war Hitze und unglaublich rote Erde. Die Luft
flimmerte. Ich war froh über meinen Hut.

Am nächsten Morgen wollte ich eine
Tour mitmachen: Sonnenaufgang am Uluru.

Deswegen hatte mich mein Störenfried aus dem
Schlaf gerissen. Ich sprang auf, wusch mich, zog mich an – und da noch Zeit
war, bis es losgehen sollte, griff ich zu meinem ‚Frühstück‘ und ging hinaus.
Es gab oberhalb der Herbergen einen Platz, wo ich gerne saß.

Schmale Holzbänke, in einem großen
Viereck aufgestellt, luden zum Verweilen ein. Ich schaute fasziniert in den
samtig schwarzen Himmel, an dem die ‚Diamanten‘ nur so funkelten. Die weiße
Scheibe des Mondes war riesig – als könnte ich ihn mühelos berühren. So eine
Pracht hatte ich noch nie gesehen. Ich genoss überwältigt den Anblick – und
mein Frühstück, das aus einem halben Liter Milch und Schokorosinen bestand. Ich
konnte mich nur schwer losreißen, stand aber mit einem abgrundtiefen Seufzer
auf und schlenderte zum Bus.

Der Bus brachte uns zum Fuße des
Uluru. Alle stiegen aus und suchten sich ein Plätzchen, um staunend die Sonne
aufgehen zu sehen. Es dauerte. So lag der Fels erst in einem bedrohlichen
Schwarz, ging zu Dunkelgrau über, bevor sich zaghafte Schatten der ersten
Sonnenstrahlen auf ihm niederließen. Bis sein Rot wie loderndes Feuer
entflammte.

Nach dem spektakulären Sonnenaufgang
und vielen verschossenen Fotos fuhren wir zum ‚Culture Center‘.

„In 20 Minuten erwarte ich euch wieder
hier am Bus!“, ermahnte uns der Fahrer. Fasziniert schaute ich mir alles in
Ruhe an. Sehr informativ fand ich die Stellwände, auf denen Bilder und Texte
von Aboriginals waren. Wenn man auf einen Knopf drückte, erzählte einem genau
dieser Aboriginal einen Teil seiner Geschichte, und wie er mit dem Culture
Center verbunden war. Auch die Tiere des Outbacks konnte man sich auf diese
Weise ansehen und -hören. Am beeindruckendsten fand ich den Emu mit seinen
Glucks-Lauten.

Die Zeit war vergessen – und
irgendwann hörte ich nur noch den Bus abfahren.

Was nun? Meinen Rucksack hatte ich im
Bus gelassen, besaß also nichts weiter als meinen Hut – und mich. Von Panik war
ich allerdings so weit entfernt wie der Nord- vom Südpol. Ich schaute mich also
noch ein wenig um, und machte mich auf den Weg. Mein Ziel war der Punkt, wo
alle Busse halten und die Touristen zur Besteigung des Uluru absetzen. So weit schien mir das nicht zu sein.
Und da würde mich sicherlich ein Bus wieder mit zu den Herbergen nehmen. Viele
Gedanken machte ich mir nicht.

Ich lief auf der linken Straßenseite
(Australien fährt ja seitenverkehrt) und war schon ein kleines Stück weit
gekommen, da fuhr ein weißer Golf an mir vorbei. Er hielt ein paar Meter vor
mir an, die linke Hintertür sprang auf und eine Stimme lud mich freundlich ein:
„Willst du nicht einsteigen?“

Ich war vom Donner gerührt und traute
weder meinen Augen noch Ohren, ging aber auf die Tür zu. Als ich in den Wagen
hineinlugte, wusste ich, warum mir diese Stimme bekannt vorkam: es waren die
vier ‚Hildesheimer‘! Erleichtert setzte ich mich mit nach hinten auf die
Rückbank.

Wir verbrachten einen sehr schönen Tag
– mit Erkundung des Uluru

(Die
Männer kletterten hoch – die Mädels starteten einen Versuch, kamen aber bald
wieder zurück – war ihnen nicht geheuer.

Vor
ihnen kamen zwei junge Männer den Berg runter. Barfuss! Und sehr leichtfüßig.
Hatten Rastazöpfe, waren also eher Latinos.

Ich
hatte nie in Betracht gezogen, den Berg zu besteigen. Er gehört den Aborigines,
deren Gefühle ich respektiere. Wenn es eines ihrer religiösen Heiligtümer ist –
dann trete ich das bestimmt nicht mit Füßen! Außerdem warnen große
Schrifttafeln vor den Gefahren des Berges. Er wird nämlich
sehr
oft unterschätzt. Ich schoss auch ein sehr makaberes Foto – im oberen Teil den
Bergkamm, den eine Reihe Wanderer aufgereiht wie an einer Perlenkette erklimmt
und im unteren Teil den zerfurchten, roten Berg mit ca. sechs kleinen
Gedenktafeln, die an verunglückte Wanderer erinnern. Darunter auch etliche
Kinder.

Mit
den Mädels erkundete ich dann ein wenig den Fuß des Uluru und wir entdeckten
die bizarrsten Formen, sowie eine kleine Wasserstelle. Der Mond stand blass am
Himmel und verlieh dem Ganzen einmal mehr den Eindruck, man sei auf einem
fernen Planeten gelandet.)

und einen Abstecher zu Katatjuta (den
‚Olgas‘, eine Felsformation die unterirdisch mit dem Uluru zusammenhängt und
ca. 40km von ihm entfernt ist), bevor es zurück zu den Herbergen ging. Ich
wollte sie noch zum Essen einladen, aber sie wollten gleich weiter.

Ein schöner Tag, an dem ich das
vorbehaltlose Vertrauen von mir fremden Menschen kennen lernte, sowie Offenheit
und Herzlichkeit, die ich zu Hause so noch nicht erlebt habe.

Aber vielleicht bringt das Outback ja einen
besonderen Zauber mit sich, durch den alles Möglich ist.



Qualmende Socken und Regenbogen-Eis

Sonstiges Posted on Mon, April 29, 2013 23:26:21

Grauer Asphalt
im gleißenden Regenschein. Missmutige Gesichter im Herzen einer Millionenstadt.
Unsanftes wachgerüttelt-werden im einheitsbunten Alltag. „Schade! Dann war es
nur ein Traum!“, dachte ich bei mir. Aber nein! Ich kehrte gerade aus einem
rot-blau-buntem Abenteuer zurück. Vom anderen Ende der Welt. Zumindest von dort
aus gesehen, wo ich wohne. Für drei endlos kurze Wochen durfte ich eintauchen –
in eine andere Welt. Alleine. Was für ein Zauber! Komm mit auf die Reise! Sie
beginnt am 14. Septembermorgen 1997…

„Was?? Ooch –
sei endlich still, du schlafraubendes Mini-Monster! Es ist noch viel zu früh!!
Noch vorm Aufstehen!“ Aber, hey – da war doch was? Dieser penetrante
Augenöffner hatte doch was zu bedeuten! Nur was? Hm – ist eben einfach noch zu
früh! Aber mit einem Mal schoss es mir durch den Kopf! Nein, nicht der
Querschläger des durchgeknallten Nachbarn, sondern des Geistes blasser Blitz:
der rote Kontinent! Heute war es soweit!! Ich hatte die vor mir liegenden drei
Wochen gut durchgeplant – wenn auch erst vor sechs Tagen… Was erwartete ich?
Nichts. Grund für die Reise? Ich wollte Charly besuchen, meinen alten
85(?)jähren Brieffreund. Wir hatten dieses Jahr 10jähres
Brief-Schreib-Jubiläum. Das fand ich Grund genug, hinzufahren. Charly ist übrigens
auch Hamelner und vor ca. 40 Jahren nach Australien ausgewandert. Er heißt
eigentlich Karl Schmidt – kurz und gut: „Charles Smith“. Von mir liebevoll
„Charly“ genannt – wenn ich ihn auch nie so angeschrieben habe… Ende der 80er
besuchte er seine Heimatstadt Hameln und es erschien ein Interview mit ihm in
unserer Zeitung. Meine Oma gab mir den Artikel: „Du suchst doch Brieffreunde.
Der freut sich bestimmt, wenn du ihm schreibst!“ Gesagt, getan. Es war eine nette
Zeit gewesen. Viele Briefe gingen hin und her. Viele Sichtweisen, Erfahrungen,
Erlebnisse. Jetzt wollte ich ihn in „natura“ kennenlernen.

So zog ich in
Hamburg-Fuhlsbüttel (da wohnte ich) mit einem kleinen
„Hacken-Rolli“ und einem größeren Rucksack los. Mein Freund (mein jetziger Mann) hatte mich vorher
glücklicherweise darauf hingewiesen, dass der Flug ja einen Tag länger dauert.
Also Ankunftszeit + einen Tag. So konnte ich noch rechtzeitig die
Jugendherberge „umbuchen“. Der Hinflug war für mich so spannend, dass die lange
Zeit wie im Fluge (ha, ha) verging. Da! Unter uns der Ganges! Ein riesiger
Fluss mit vielen, verschlängelten Nebenarmen. Einfach gigantisch!

Erster Stopp:
Bangkok. Alle raus. Hier verabschiedete ich Martina und Tanja – zwei nette Schwestern
in meinem Alter, die vier Wochen Thailand unsicher machen wollten.

Puh! Hier hat
jemand vergessen, die Klimaanlage anzustellen!! Oder…? Schreckliche
Vorstellung, hier zu wohnen – wenn dir ständig das T-Shirt am Laib klebt und du
vergebens auf die frische, kühlende Brise wartest. Wie deprimierend! Also nix
wie zurück in den Flieger!! Nachdem ich es nach bestimmt 100 Versuchen
geschafft hatte, mit meinem Freund zu telefonieren, stand der „Rück-Stampede“
auch nichts mehr im Weg.

Auf nach
Australien! Was im Ticket nicht stand: wir flogen über Sydney nach Melbourne.
Nun ja. Nachdem in einer hektischen Nebelaktion garantiert keine Kopflaus mehr
überlebt hatte, durfte der Vogel in Sydney runter, das in der ersten
Morgensonne verschlafen blinzelte. Viele steigen aus, aber auch neue kamen
dazu. Die Spannung stieg – und mit ihr der Flieger erneut. Zum endgültigen
Ziel. Da waren sie endlich, die freundlich einladenden Leucht-Lettern
„Melbourne“. Von oben „besticht“ diese Stadt durch ihr Schachbrettmuster mit schnurgeraden
Strassen… Inzwischen war der Morgen ein wenig angegraut – aber was soll man
um 8h früh im Spätwinter erwarten? Koffer vom Laufband-Zoo befreien und ab in
die frische (tatsächlich!! 🙂 ), australische Morgenluft. Yipeeh! Der Pioniergeist
erwachte in mir und es trieb mich schnurstracks zur Greyhound-Station. Rein in
den Bus, staunen, raus.

Jetzt war ich
also tatsächlich an meiner ersten Station angekommen: der „Queensberry Hill“
Jugendherberge in Melbourne. Sachen verstauen in meinem Zimmer im 3. Stock und
los geht’s. Es gibt so viel zu sehen! Da ich außer dem Stadtplan keinen
weiteren hatte, lief ich einfach los. Hier lang und dort, und da auch noch! So
fand in einem Laden mein erstes Didgeridoo zu mir. Naja – will eigentlich erst
noch eins werden – es ist nämlich nur halb so groß wie die „richtigen“. Aber
man kann genauso drauf spielen. Und Wochenstunden hätte ich dort gleich
mitbuchen können… 😉 Na, ist auf jeden Fall handlicher so!

Ich wandelte wie
„Hans-Guck-in-die-Luft“ durch die Strassen. Es war aber auch so viel Neues,
dass ich am liebsten alles gleichzeitig „eingesogen“ hätte. Eine faszinierende
Stadt – wenn man mal von dem Einheits-Schachbrett-Strassen-Muster absieht. Aber
so kann man auch weniger verlorengehen… Ich bestaunte einen blattlosen,
kleinen Baum, der merkwürdige, kleine, stachelige „Früchte“ trug. Die Zeit, die
am Riesen-Hochhaus digital und darunter am alten, kleinen Kirchturm analog
angezeigt wurde.

Ich erreichte
den berühmten Bahnhof „Flinders Street Station“ und fuhr nach Riversdale raus,
als ob ich da zu Hause wäre. In Riversdale wohnt Charly, und den wollte ich ja
besuchen. Dann wurde es allerdings komplizierter – und die Strasse immer
länger…Ich landete nämlich am Anfang der Riversdale Road und die war
lang…Charly wohnte in den 700erten… Tapfer zog ich also los. Und lief. Und
lief. Und – lief. Das Ding schien mich ärgern zu wollen und war schier endlos.
Doch als ich schon aufgeben wollte, fand ich die richtige Haus-Nr. Und nun?
Klingeln. Was sonst!? Zögernd öffnete ich die kleine Gartenpforte und ging zur
Tür. Das zaghafte Klingeln verhallte ungehört. Seufz! Aber auch Sturm schellen
brachte nichts. Sollte ich mich etwa doch getäuscht haben? Sicherheitshalber
warf ich einen zweiten Blick auf das Namensschild. Aber auch der Dritte
bestätigte mir, dass ich richtig war. Was also tun? Es war spät geworden. Zum
Glück hatte ich einen Zettel und Stift bei mir, setzte mich ins Gras und
schrieb eine Nachricht für Charly. Vielleicht war er ja auch gar nicht zu
Hause. Er schrieb doch oft, dass er so gerne tanzen geht (ja – auch jetzt
noch!). Und einen genauen Termin hatte ich wohl nicht mitgeteilt… Tja. Pech. Ich warf meine Nachricht
in den Briefschlitz und zog unverrichteter Dinge von dannen. Nun ja, jetzt
wusste ich wenigstens, wo er wohnte und wie lange ich in etwa noch brauchte bis
zur Jugendherberge.

Aber
zwischendrin sprang ich kurzerhand auf die S-Bahn, die in der Mitte der Strasse
fährt. Gar nicht so einfach, sich vorher durch den Verkehr zu kämpfen – zumal
der noch völlig verkehrt fährt! Als ich für die eine Station bezahlen wolle,
winkte der Fahrer nur grinsend ab. Da war ich doppelt dankbar! Bzw. meine Füße
und mein Geldbeutel. Nette Leute, die Australier! Nachdem ich mich den langen
Weg zur JUH zurückgekämpft hatte, fiel ich nur noch in mein Bett. Dass es ein
voll belegtes Sechs-Bett-Zimmer war, störte mich nicht im geringsten.

Am nächsten Tag
lief ich wieder. Diesmal in die andere Richtung. Und bestaunte die alten,
historischen Gebäude, botanische Gärten und den Zoo (bzw. die Fauna und Flora
in ihm). Den Tag danach kam ich etwas schwerfälliger in Gang, mein kleiner
„Hacken-Rolli“ machte es mir mit seinen Microbenrollen nicht gerade einfacher
und ich musste unbedingt noch ein Foto von dem außergewöhnlichen Restaurant
„Witches & Butches“ machen. Die drei Hexentürmchen mit den lila Dächern
sahen aber auch zu verlockend aus. Wen wundert’s, dass ich meinen nächsten
Greyhound verpasste? Ich beeilte mich zwar, was die Hacken und der „Porsche“
hergaben, aber es nützte nichts – ich sah ihn nur noch mit „wehendem Schwanz“
um die Ecke biegen. Meine Sachen schloss ich also gut in der Greyhound-Station
ein – der nächste Bus fuhr erst abends und so wollte ich die neu gewonnene
Chance nutzen, Charly wieder zu besuchen. Den Weg kannte ich ja jetzt.

Dieses Mal wurde
auf mein Klingeln geöffnet. Mir schaute eine kleine, gebeugte Gestalt mit
Gürtel und Hosenträgern entgegen. Charly freute sich und bat mich hinein. Ein
kleines, nettes, ebenerdiges Haus. Im Wohnzimmer setzten wir uns aufs Sofa und
erzählten. Er war glücklich, dass er jemanden zum Reden hatte und er fiel
abwechselnd vom Deutschen ins Englische. Aber sein Deutsch war noch sehr gut –
dafür dass der Hamelner schon 40 Jahre in Melbourne lebt. Es hat mir Spaß
gemacht, diesen Mann kennen gelernt, und wie alte Freunde geplaudert zu haben
Waren wir in gewisser Weise ja auch.

Wir konnten auch
das Missverständnis klären, dass ich nicht seine Landlady war, sondern seine
Brieffreundin aus Hameln! Hatte er mich doch für jemand anderen gehalten…
Später wunderte es mich aber auch nicht – als wir in der Küche saßen, und er
mir zu Essen anbot, hatte er plötzlich eine ziemlich dicke Hornbrille auf der
Nase. Ich war froh, dass ich eigenes Essen mitgebracht hatte – durch die Brille
sah er nämlich nicht alle Schimmelstellen an den Toastbrotscheiben, die er sich
zurechtmachte… Auch hatte er die merkwürdige Angewohnheit, den mannshohen
Kühlschrank sperrangelweit offen stehen zu lassen – wohl als eine Art
„Klimaanlage“. Und er röstet immer gleich ein ganzes Toastbrot vor und verstaut
es im kleineren Kühlschrank. Das „ungefährlichste“ war wohl das Corned Beef…
Ich hoffe nur, er hatte mein verwundertes und irritiertes Begutachten nicht
bemerkt… Stolz zeigte er mir im Garten seinen selbstgebauten Schuppen, in dem
er eine Art Werkstatt hatte. Seinen legendären weißen VW Käfer konnte ich aber
leider nicht sehen – den hatte er kurz vorher schrottreif gefahren – bzw. er
war nicht Schuld daran. Armer, alter Mann.

Diesmal hatte
ich die Zeit besser im Blick. So leid es mir tat, hatte ich ein Ende finden
müssen. Der Gang zu Tür war mit Bildern und Kupferstichen von Hameln verziert.
Wie sehr er wohl seine Heimat vermisst haben mag? Draußen schmiss er voller
Stolz seinen Stock beiseite – fürs Foto. Wir lächelten zum Abschied. Abschied
für immer? Wohl vielleicht fürs Schreiben, denn der Graue Star ergriff immer
mehr Besitz von ihm. Aber vergessen werde ich ihn nie!

Der Greyhound
fuhr die ganze Nacht – ich schlief. Morgens kamen wir in Adelaide an. So hatte
ich also den „Victoria – On the move“- State verlassen und war nun im „South
Australia – the Festival state“. Wieder ein langer Marsch von der Busstation
zur Unterkunft. Aber gut, um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen.
In der schnuckelig-kleinen Jugendherberge (mit 8 Zimmern) verstaute ich nur
meine Sachen und schloss mich gleich einer rüstigen, älteren Tasmanierin an.
Die wollte gerade die Stadt erkunden (jedenfalls verstand ich es so). Breite
Strassen, alles großzügig. Berittene Polizei, Regenbogen-Eis, Siegesdenkmäler
verschiedener Schlachten, botanischer Garten (mit chinesischer
Hochzeitsgesellschaft, die Fotos schossen), Enten-Überweg-Hinweise, sonniges
Antlitz einer ruhigen Stadt – zumindest, wie ich sie gesehen habe. Die Verständigung
mit der verschrobenen, älteren Tasmanierin war nicht einfach. Wie für uns
Schweizer-Deutsch. Oder so, eben. Köstliche, bunte Mischung.

Abends traf ich
im Speiseraum zwei deutsche Mädels in etwa meinem Alter. Die studierten in
Melbourne und besuchten ab und an die Umgegend. Die eine gab mir den Tipp, als
sie erfuhr, dass ich nach Alice Springs fliegen wollte, zu fragen, ob ich zu
dem Piloten in die Kabine darf, um die herrliche Aussicht zu genießen. Das
merkte ich mir vor!

To be continued…

(Bericht meiner Australien-Reise 09/1997)



Trimm dich – oder „wie mache ich mich lustig“

Sonstiges Posted on Mon, April 29, 2013 23:12:22

Bevor wir den letzten Schritt ins
Büro wagen, machen wir eine kleine, gymnastische Übung:

Wir entspannen die Mundwinkel,
ziehen dann beide bis zu den Ohren hoch und entblößen hierbei netterweise unser
prachtvoll ausgebildetes Beißwerkzeug. Anspannen. 🙂

Die Spannung behalten wir bei,
bis wir die Tür hinter uns geschlossen haben. Sind die „freundlichen“ Züge dann
entgleist und die Mappe in die Ecke gepfeffert, nehmen wir unseren Stuhl und
bringen ihn außer Reichweite vom Tisch, Wänden und evtl. Grünzeug.

Nun nehmen wir Haltung an und
postieren uns neben einer Seite des Stuhls (such Dir eine aus). Von Vorteil
wäre die Lehne zur Linken.

Während wir dezent mit der linken
Hand die Stuhllehne umschließen (nicht umkrampfen!), klappen wir unser rechtes
Bein schwungvoll nach hinten hoch.

Jetzt führen wir die rechte Hand
über den Rücken zum rechten Fuß, der geduldig wartet und fassen ihn fest an.

Ist dieser, nicht ganz einfache
Schritt, vollendet, lassen wir langsam die Stuhllehne los.

Nun beginnen wir, uns in kleinen
Abständen um den Stuhl herumzubewegen. Der linke Arm darf zur Unterstützung
gern rudernd hinzugezogen werden. Etwas schneller das Ganze, bitte! 🙂

Den letzten Schliff bekommt diese
Übung durch ein Geräusch, das unsere „roten Nachbarn“ im „Wilden Westen“
ausgestoßen haben – oder einfach nur „Buschgesang“ (Wie sch… ist dieses Zimmer.
Wie sch… ist diese Arbeit…). Aber nicht zu laut, sonst kämen noch begeisterte
Kollegen und dann wäre das Zimmer zu klein… 😉

So, jetzt kann man entspannter
arbeiten. Um die Mittagszeit lösen wir uns dann vom Stuhl. Wir nehmen neben dem
Tisch eine aufrechte Haltung sin und bringen unsere Arme in die Horizontale vor
uns. Nun werden wir ein Stück kleiner, in dem wir unsere Patellas (Knie) in
einem Winkel von ca. 60°C zur Erde bewegen. Dabei die aufrechte Haltung nicht
vergessen.

Wir wiederholen die Übung in
einem Abstand von 1 Sekunde 20x. Wir wollen uns unser Mittagessen ja
schließlich verdienen. 😉

Gen Abend schließlich drehen wir
unseren Stuhl zur Tür, stellen die Füße in einem Abstand von ca. 30cm fest auf
den Boden und bringen unser Gesäß von den 90°C in die senkrechte, wobei wir uns
auf den Lehnen abstützen dürfen.

Nun bewegen wir den rechten Fuß
mit einem Abstand von ca. 30cm vor den linken Fuß. Das Ganze mit dem linken Fuß
wiederholen – bis man die Tür für heute schwungvoll schließen kann.

Wenn der Tag erfolgreich
verlaufen war, kann das nur an diesen Übungen liegen. 🙂

Besonders die Letzte wird von
allen sehr gern und schnell erledigt. 🙂

Auf das der Tag morgen ebenso

Erfolgreich verlaufe.

🙂

ca.
1995-97